Welche Prozesse eignen sich für KI und Automatisierung?
Ein Prozess eignet sich für KI oder Automatisierung, wenn er häufig wiederkehrt, einem nachvollziehbaren Muster folgt, auf digital verfügbaren Daten oder Texten beruht, klare Ziele hat und ein Fehler auffällt und korrigierbar ist. Gute Startpunkte im Mittelstand sind Rechnungsvorkontierung, Angebotserstellung aus Stammdaten, die Vorsortierung von Anfragen und die Aufbereitung wiederkehrender Berichte. Ungeeignet sind seltene Einzelfälle, Prozesse ohne Datenbasis und Aufgaben mit hoher Tragweite ohne Kontrollmöglichkeit.
Die fünf Kriterien für einen geeigneten Prozess
1. Häufigkeit
Der Prozess läuft oft, idealerweise täglich oder mehrmals pro Woche. Bei einem Vorgang, der zehnmal im Jahr vorkommt, übersteigt der Aufbau- und Pflegeaufwand fast immer den Nutzen. Faustregel: Je öfter eine Aufgabe anfällt, desto eher lohnt sich der Einstieg.
2. Muster statt Bauchgefühl
Es gibt eine erkennbare Logik. Entweder folgt der Prozess festen Regeln, oder er lässt sich aus vielen Beispielen ableiten. Aufgaben, die stark von unausgesprochenem Erfahrungswissen und wechselnden Sonderfällen leben, sind schwerer und teurer umzusetzen.
3. Digitale Datenbasis
Die nötigen Informationen liegen digital vor, in einem System, in Dokumenten oder in E-Mails. Wenn die Grundlage aus Papier, Zuruf oder dem Kopf einzelner Personen besteht, ist der erste Schritt nicht KI, sondern die Digitalisierung der Datenquelle.
4. Klares Ziel und klare Abnahme
Sie können benennen, wann das Ergebnis richtig ist. Für eine Rechnungsvorkontierung heißt das: das richtige Konto, die richtige Kostenstelle, der richtige Steuersatz. Ohne ein prüfbares Sollbild lässt sich weder testen noch verantworten.
5. Fehler sind erkennbar und korrigierbar
Ein falsches Ergebnis fällt auf, bevor es Schaden anrichtet, und lässt sich vor dem endgültigen Schritt korrigieren. Deshalb eignen sich Prozesse mit einer menschlichen Freigabe am Ende besonders gut für den Einstieg.
Konkrete Beispiele aus dem Mittelstand
| Bereich | Prozess | Warum er passt |
|---|---|---|
| Buchhaltung | Eingangsrechnungen vorkontieren und Pflichtangaben prüfen | Hohe Frequenz, klare Regeln, digitale Belege, Prüfung durch die Buchhaltung am Ende |
| Einkauf | Angebote vergleichen und Abweichungen zu Rahmenverträgen markieren | Wiederkehrend, dokumentenbasiert, klares Sollbild aus den Vertragsdaten |
| Vertrieb | Angebotstexte aus Stammdaten und Textbausteinen erzeugen | Muster gut ableitbar, Freigabe durch den Vertrieb vor dem Versand |
| Kundenservice | Eingehende Anfragen nach Thema und Dringlichkeit vorsortieren | Textbasiert, hohe Menge, Fehlsortierung leicht korrigierbar |
| Verwaltung | Wiederkehrende Berichte aus mehreren Quellen zusammenstellen | Regelmäßig, feste Struktur, Datenquellen digital vorhanden |
Woran ein Prozess scheitert
- Zu selten: Der Fall tritt nur wenige Male im Jahr auf. Der Aufwand rechnet sich nicht.
- Keine Datenbasis: Die Informationen liegen auf Papier oder nur mündlich vor.
- Unklarer Ist-Zustand: Im Unternehmen herrscht Uneinigkeit, wie der Prozess eigentlich laufen soll. Automatisierung macht ihn dann nur schneller falsch.
- Hohe Tragweite ohne Kontrolle: Rechtsverbindliche Zusagen, sicherheitskritische Freigaben oder Zahlungen ohne Vier-Augen-Prinzip gehören nicht an den Anfang.
- Ständig wechselnde Ausnahmen: Wenn fast jeder Vorgang ein Sonderfall ist, gibt es kein tragfähiges Muster.
Wie Sie den ersten Prozess auswählen
Sammeln Sie mit den betroffenen Teams eine Liste wiederkehrender Aufgaben. Bewerten Sie jede grob nach den fünf Kriterien und nach dem geschätzten Zeitgewinn. Der beste Startpunkt ist selten der größte Hebel, sondern der Prozess, der alle fünf Kriterien erfüllt und dessen Ergebnis leicht zu prüfen ist. So entsteht ein sichtbarer Erfolg, auf dem die nächsten Schritte aufbauen.
Sie wollen Ihre Prozesse gemeinsam durchgehen?
Kostenfreies Erstgespräch →
Erstgespräch